Come on! Commons als neue Stars am linken Diskurshimmel und konkrete Utopie?

Der kommende BUKO hat u.a. commons als Thema. Der aktuelle ak hat das Thema bereits aufgegriffen.  Marx schrieb, dass die Einhegung der Gemeingüter (Commons) »die Arbeiter als bloßes Arbeitsvermögen gesetzt« hatte. Von da an zogen sie die »Vagabundage, Bettelei etc. of course der Lohnarbeit vor und mussten erst gewaltsam an diese gewöhnt werden«. Dieser Prozess wiederhole sich »bei Einführung der großen Industrie, der mit Maschinen betriebenen Fabriken«. Die Zerstörung der sogenannten Gemeingüter, war und ist bis heute Voraussetzung für die Durchkapitalisierung der Gesellschaft. Für viele Linke stellen Commons deshalb auch eine antikapitalistische Strategie dar. Im ak-Schwerpunkt zeigt Stefan Meretz, was Commons überhaupt sind; Benni Bärmann und ich diskutieren, ob sie einen Ausweg aus der Knechtung ermöglichen. Eine antikoloniale (Walter Mignolo) und queer-feministische (Cornelia Möser) Perspektive darf hierbei nicht fehlen. Meretz’ Artikel findet sich in einer geringfügig anderen Form bei Keimform, die Diskussion zwischen mir und Benni Bärmann ist online und hat bereits zu weiteren Diskussionen geführt (keimform, commonsblog). Die Tage werde ich hoffentlich auf die Reaktionen eingehen können.

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2 Kommentare

  1. Erstellt am 28. April 2010 um 10:10 | Permanent-Link

    Ich beziehe mich auf den Text von Ingo Stützle: “Vor Veränderung kommt Verstehen…”. Danke für diesen Anfang einer Debatte, die schon längere Zeit fällig ist.

    Auch wir (ZW Jena) beziehen uns seit längerer Zeit positiv auf die Commonsdebatte und da wir gleichzeitig ein Kapital-Studium durchziehen, wurde uns zeitig bewusst, dass wir die Commons-Debatte genauer unter die Lupe nehmen und “marxistisch rekonstruieren” sollten.

    Noch sind wir nicht soweit. Aber bezüglich Ingos Text habe ich doch einige Anmerkungen:

    Ingo kritisiert, dass in der Commonsdebatte zwei Momente, die für Marx zentral waren, unter den Tisch fallen. Das klingt ein wenig so, als stelle er die Autorität Marx gegen ein anderes Konzept. Wichtiger wäre mir ein inhaltlicher Nachvollzug der Argumente.

    Wichtig finde ich hier, die Marxsche Unterscheidung der Schaffung der historischen Voraussetzungen für den Kapitalismus (“ursprüngliche” Akkumulation) und der Reproduktion des Kapitalismus auf eigenen Grundlagen zu beachten. Es zeigt sich hier, dass der Weltkapitalismus eben auch gegenwärtig NICHT NUR den Prozess der Reproduktion auf eigenen Grundlagen durchläuft, sondern IMMER NOCH und VERSTÄRKT “ursprüngliche” Akkumulation realisiert. Das muss von uns theoretisch eingearbeitet, nicht zurück gewiesen werden. Dass auch die vorkapitalistischen Besitz- und Eigentumsformen nicht “natürlich” sind, stimmt, ist aber eine andere Frage. Im Commonsdiskurs wird meist explizit gesagt, dass “der Gemeincharakter [...] das Ergebnis eines Kostruktionsprozesses” (S. 113) ist. Gerade die Vielfalt der entsprechendenden Praxen zeigt deutlich, dass es keine “natürliche” Vorgabe dafür gibt.

    Ein zweiter Punkt: Es wird ausgesagt dass andere Formen von Vergesellschaftung kein Thema seien. Das stimmt nicht ganz. Auch die Commons-Debatte denkt nach über “polycentryc Gouvernance” (S. 220), das geht in die Richtung.

    Es gibt durchaus genügend Kritikpunkte; ich sehe da vor allem die Illusion, eine Commons-Wirtschaft NEBEN der auf Privateigentum beruhenden durchsetzen zu können, bzw. Staaten in Anspruch nehmen zu können zur Gewährleistung der Bedingungen der Selbstverwaltung (S. 36). Viele dieser Ansichten lassen sich erklären durch die Herkunft des Konzepts aus Ländern, in denen der Kapitalismus sich bisher eben noch nicht totalitär durch alle Lebensverhältnisse gefressen hatte.

    Übrigens kann ich mir richtig gut eine flammende Streitschrift aus Marxens Feder vorstellen, die die Commons-Debatte leicht genauso auseinander nehmen könnte wie einst Proudhon oder das Gothaer Programm. Manche_r von uns könnte das schreiben. Aber ich denke, das sollte nicht unser Anliegen sein. Ich freue mich auf eine sachliche Auseinandersetzung, die alle beteiligten Seiten hoffentlich voran bringt in Theorie und Praxis…

    (Quelle für die Seitenangaben: Buch “Wem gehört die Welt?”)

  2. Erstellt am 28. April 2010 um 14:43 | Permanent-Link

    Dann lest ihr also als nächstes Rosa Luxemburg? Die hat doch wohl genau diesen Zusammenhang mit der fortgesetzten “ursprünglichen Akkumulation” vor 100 Jahren schon analysier.

    Die Rolle von Marx als Polemiker übernimmt ja heute schon Robert Kurz. Jetzt wo der Commonsdiskurs so prominent in der Linken aufgegriffen wird, kommt da bestimmt bald eins seiner legendären bashings.

    Den Commonsdiskurs auf eine Stufe mit Proudhon zu stellen find ich aber schon fies, ein bisschen mehr Substanz ist da schon finde ich.

Ein Trackback

  1. [...] zum Verhältnis von Linken zur Commonsdebatte vor und in diesem Zusammenhang habe ich einen Kommentar zu einem Text von Ingo Stützle geschrieben. Ein kleiner Anfang, aber es soll ja noch weiter gehen… [...]

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